Wolfgang Rupprecht

Radsport-Chronist

Albert-Schweitzer-Str. 60
81735 München

Tel. 089/67 17 64

Aus den Anfängen des Radsportbezirkes Niederbayern in der ersten Nachkriegszeit,
ab 1949

Bereits in den ersten Kriegsjahren kam es 1939/40 auf dem damaligen Militär-Fliegerhorst Pocking/Niederbayern zur Gründung eines Luftwaffen-Sportvereins, den ein Sportoffizier leitete. Hierzu gehörte auch eine Radsport-Abteilung, die ordnungsgemäß dem Deutschen Radfahrer- Verband im NSRL, Gau München-Oberbayern angeschlossen war. Abteilungsleiter wurde der damalige Unteroffizier Wolfgang Rupprecht. Mit einigen gleichgesinnten Kameraden, die sich ihre Rennräder von zu Hause nachsenden ließen, unternahm er geregelte Trainingsfahrten und man beteiligte sich auch nach Möglichkeiten, die der Dienst zuließ, an den wenigen Rundstreckenrennen im Großraum München. Doch die Zuspitzung der Kriegslage brachte Ausgang 1941 weitere Aktivitäten des Luftwaffen-Sportvereins im Fliegerhorst Pocking wieder zum Erliegen.

In den Jahren 1946, 1947 und 1948 (bis zur Währungsreform) wurden dann von dem ordentlichen lizenzierten Veranstalter Wolfgang Rupprecht, damals wohnhaft in Landshut, zahlreiche Berufs-Rundstreckenrennen (sogen. Kriterien) in den Orten: Landshut, Regensburg, Ingolstadt, Weiden, Deggendorf; Straubing, Passau und Vilshofen durchgeführt.

Diese Veranstaltungen, mit der Spitzenklasse des deutschen Berufs-Radrennsports im Programm, waren in der Folgezeit Anlaß zu Gründungen von Radsportvereinen bzw. Wiedergründungen älterer Vereine mit ihrem Gründungsdatum aus der Zeit vor der Jahrhundertwende, wie z.B. der RSV Straubing 1882 und der RSV Passau 1895.

Zusammengefaßt kann somit gesagt werden, daß die Massenbesuche und das Interesse an den von Wolfgang Rupprecht durchführten Profi-Veranstaltungen, dem künftigen Amateur-Radrennsport in Niederbayern zweifellos zu Vereinsgründungen verholfen haben!

Im Jahre 1946 wurde zunächst die „Sparte Rad- und Motorsport" im Bayerischen Landessportverband (BLSV) gegründet. Hierzu erteilte die US-Militärregierung in Bayern die Genehmigung. Es war somit der Vorläufer des Bayerischen Radsport-Verbandes im BLSV.

Erst bei der 4. ordentlichen Tagung dieser „Sparte", am Sonntag, den 11. Dezember 1949 in Nürnberg, kam es dann zur offiziellen Gründung des „Bayerischen Radsport-Verbandes e.V.", mit Hans Bandele-Fürth als I. Vorsitzenden (noch nicht „Präsident"). Der Verbandsausschuß gehörte u.a. als einzige Vertreterin Niederbayerns Viktoria Plödereder-Straubing, als Fachwartin für Damen-Polo im Hallensport an. Dennoch wurde man auf die erfreuliche Entwicklung im damaligen Kreis Niederbayern aufmerksam, die sich vor allem im Straßenrenn‑ sport zeigte. Allerdings wurde in den einzelnen Orten die Existenz eines Verbandsorgans noch wenig bzw. überhaupt nicht beachtet. Das wiederum führte dazu, daß die Verantwortlichen solcher „wilder" Rennen ein erhebliches Risiko bezüglich einer Unfall- und Haftpflicht-Versicherung eingingen, deren Auswirkungen im Schadensfall unabsehbar gewesen wären!

Erst gegen Saisonschluß 1949 nahmen einzelne niederbayerische Vereine schon Kontakt zur „Sparte Rad- und Motorsport" auf, was dann zur provisorischen Gründung des Kreises Niederbayern noch im Jahre 1949 führte.

Die Initiative hierzu ging von dem späteren Kreisvorsitzenden und Fahrradhändler in Eggenfelden, Fritz Hegendörfer aus. Infolgedessen kam es am Sonntag, den 22. Januar 1950 in Eggenfelden, im "Gasthof Baumgartner", zum ersten ordentlichen Kreistag. Die Beteiligung daran war gut, zumal sich zwischenzeitlich ein Bestand an Radsportvereinen im Bereich Niederbayern in Eggenfelden, Brombach, Landshut, Simbach/Inn, Rotthalmünster, Julbach, Passau, Niederpöring, Deggendorf, Straubing, Wörth/Isar und Gerzen gebildet hatte.

So wurde Fritz Hegendörfer-Eggenfelden zum Kreisvorsitzenden gewählt, Wolfgang Rupprecht-Landshut kam in die Funktion des Kreis-Sportwarts und Pressewarts, dem die Sportsfreunde Sesselmann-Passau, Berger-Simbach und Moser-Brombach zur Seite standen.

Zugleich wurde ein sehr umfangreiches Sportprogramm für die Saison 1950 bekanntgegeben, welches im Verbandsbereich einiges Aufsehen erregte! Herausragend war hier die 2-Etappenfahrt „Quer durch Niederbayern" an Pfingsten, mit dem Etappenziel in Passau. Während der Etappen wurde jeweils eine Zwangspause in Straubing bzw. Eggenfelden eingehalten, wo den Fahrern eine warme Mahlzeit gereicht werden konnte, wofür in Straubing die Mädchen des Hallenradsports und in Eggenfelden der unermüdliche Gönner des Radsports und Gastwirt, Franz Baumgartner gesorgt hatten! Am Sportprogramm des Kreises Niederbayern waren fast ausnahmslos sämtliche Vereine beteiligt, zumal damals die deutsche Zweirad-Branche auch die Amateur-Veranstaltungen tatkräftig gefördert hat. Und da der Kreis Oberpfalz sich in der gleichen Situation wie der Kreis Niederbayern befand, kam es in sportlicher Hinsicht zu engen Kontakten zwischen den beiden Kreisen, und hier vornehmlich zu den Regensburger Vereinen.

Auf Empfehlung des BRV-Vorsitzenden Bandele wurde sodann aus Zweckmäßigkeitsgründen der Kreistag von Niederbayern und der Oberpfalz am Sonntag, den 17. Dezember 1950 in Regensburg gemeinsam abgehalten. Die Neuwahl ergab: Kreisvorsitzender Fritz Hegendörfer­Eggenfelden, 2. Vorsitzender Josef Berger-Simbach, Schriftführer, Pressewart und Kreis­sportwart W. Rupprecht-Landshut, Kassier Rudolf Drexlmaier-Landshut, Kreisjugendwart Otto Weinzierl-Eggenfelden, Kreissaalsportwart Viktoria Plödereder-Straubing, Revisoren Hans Lehmann und Hans Ostermeier-Rottal.

Eine außerplanmäßige Tagung des Kreises Niederbayern fand am Sonntag, den 11. März 1951 in Plattling statt und diente unmittelbar vor Saisonbeginn vornehmlich der Festlegung des Terminkalenders für den Kreis Niederbayern, der wiederum ein reichhaltiges Sportprogramm auf Bahn und Straße bot. In diesem Zusammenhang dürfte von besonderem Interesse sein, wie damals überhaupt die Rennpreise ausgesehen haben. Denn bei der „Rottaler Achterfahrt" über 158 km, mit Start und Ziel in Eggenfelden, wurden kurioserweise im Ergebnis der Presse-Berichterstattung auch die gewonnenen Sachpreise mit genannt. So gewann der Sieger einen Rennrahmen, der Zweite einen Sportrahmen, der Drittplazierte, Michael Bock aus Passau,

ebenfalls einen Sportrahmen, der Vierte eine Uhr, eine Hinterradnabe und ein Paar Sportstrümpfe, der Fünfte eine Rennfelge und einen Rennreifen, der Sechste einen Satz Rennbremsen und eine Vorderradnabe, der Siebte eine Radbeleuchtung, der Achte einen Rennlenker und ein Paar Sportstrümpfe und so fort. Es waren dies Rennpreise, die buchstäblich von Geschäft zu Geschäft zusammengebettelt werden mußten und bei der Preisverteilung dann von den Gewinnern ohne zu murren entgegengenommen wurden!

Der nächste ordentliche niederbayerische Kreistag fand dann am Sonntag, den 2. Dezember 1951 in Neumarkt - St. Veit statt. Da der bisherige Kreisvorsitzende Fritz Hegendörfer­Eggenfelden, zu der anstehenden Neuwahl nicht mehr antrat, ergab die neue Kreisvorstandschaft Niederbayern folgendes Bild: 1. Kreisvorsitzender Kaspar Hahn­Deggendorf, 2. Kreisvorsitzender Josef Berger-Simbach/Inn, Kreissportwart, Schriftführer und Pressewart W. Rupprecht-Landshut, Kreisjugendwart Georg Schramm-Deggendorf, Kreissaalsportwart Viktoria Plödereder-Straubing, Kreiswanderfachwart Fritz Fiebig­Deggedorf, Kreiskassier Rudolf Drexlmaier-Landshut, Revisoren Fritz Hegendörfer­Eggenfelden und Georg Wolf-Straubing. Mit den besten Leistungen seiner Aktiven im Jahresdurchschnitt konnte die Radsportabteilung im TSV Simbach/Inn benannt werden!

Schließlich fand beim Verbandstag des Bayerischen Radsport-Verbandes am 13. Januar 1952 in der Sportschule zu Grünwald bei München die immense Aufbauarbeit in Niederbayern ihre Würdigung. So wurden mit der Verdienstnadel des BDR der 2. Kreisvorsitzende Josef Berger­Simbach und der Kreissportwart Wolfgang Rupprecht-Landshut ausgezeichnet. Außerdem wurde als Hallen-Fachwart der Frauen Viktoria Plödereder-Straubing und als 1. Beisitzer des BRV Wolfgang Rupprecht-Landshut in die Verbandsvorstandschaft gewählt. Dieselben Funktionen übernahmen beide auch beim Verbandstag des Jahres 1954.

Als dann Wolfgang Rupprecht um die Jahreswende 1952/53 einen Wohnsitzwechsel nach Freising vornahm, war für ihn die Funktionärstätigkeit im Kreis Niederbayern beendet. Da Freising zum Kreis Oberbayern gehört, widmete sich Rupprecht dann unverzüglich ähnlichen Aufgaben in seiner neuen Umgebung.

In Erinnerung ist der Wechsel in der Funktion des 1. Kreisvorsitzenden - später dann Bezirksvorsitzenden - nach Kaspar Hahn-Deggendorf, dann zu Heinrich Heinen-Passau und anschließend zu Günter Henschel-Deggendorf

gez. Wolfgang Rupprecht

 


 

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